In den letzten Jahren konnte ich in weit über hundert Vorstellungsgesprächen reichlich Erfahrung sammeln, sei es als Kandidat oder als technischer Fachkollege. Diese Erfahrung habe ich in folgende Punkte gepackt, die jedes Gespräch erfolgreicher machen. Als Software-Entwickler beziehe ich mich dabei ausschließlich auf die IT-Branche. Die Tipps sind sicherlich auch in anderen Branchen hilfreich, das kann ich jedoch nicht näher bewerten.
Je häufiger man sich der Situation eines Bewerbungsgesprächs stellt, desto sicherer tritt man auf. Ich empfehle, das Gespräch mit Freunden oder der Familie zu üben. Falls niemand verfügbar ist, hilft es auch, sich auf Stellen zu bewerben, die man nicht unbedingt antreten möchte.
Regel: Geht zu jedem Bewerbungsgespräch, zu dem ihr eingeladen werdet!
Viele Kandidaten schaffen es nicht, ihren Lebenslauf geordnet, chronologisch und frei zu erzählen. Als Interviewer stellt man oft die gleichen Fragen, um eine Vergleichbarkeit der Kandidaten zu gewährleisten. Hier kann man leicht punkten, wenn man seine Meilensteine flüssig vortragen kann.
In der Terminbestätigung des Gesprächs stehen oft die Teilnehmer. Nutze diese Gelegenheit und recherchiere sie:
Lehne das Getränk niemals ab. Man glaubt gar nicht, wie oft die Stimme versagt. Wenn jetzt jemand los muss, um ein Getränk zu besorgen, stört das die Gesprächsdynamik. Ein Schluck Wasser gibt dir zudem die Möglichkeit, nachzudenken und/oder deine Nervosität zu überwinden. Regel: Nimm das Getränk immer an!
Das ist überhaupt kein Problem. Aber bitte fange nicht an zu faseln oder dir etwas auszudenken. Jeder erfahrene Kollege wird sofort deine Unsicherheit bemerken und dir möglicherweise eine Absage erteilen. Antworte ehrlich, dass du es nicht weißt, und gib die Frage zurück. Der Fachkollege wird die Antwort wahrscheinlich ausführlich erklären, und du kannst dabei etwas lernen.
Viel zu oft sitzen vor mir potenzielle Kollegen im Anzug. Sie schwitzen, fummeln am Kragen, und der Anzug sitzt entweder zu eng oder zu weit. Man merkt deutlich, dass sie sich unwohl fühlen. Es ist kein Problem, vorher nach dem Dresscode zu fragen. Die Webseite des Unternehmens zeigt oft, was kleidungstechnisch zu erwarten ist. Kleidung macht zwar Leute, zeigt aber auch, ob du dich wohlfühlst. Wenn du Anzüge nicht magst, sind Stoffhose und Poloshirt völlig in Ordnung. Achte nur darauf, ob du dich für eine Consulting Stelle oder eine Inhouse-Entwicklung bewirbst. Dein neue Arbeitgeber wird beurteilen, ob man dich einem Kunden zeigen kann. Ein gepflegtes Äußeres und saubere Kleidung reichen vollkommen aus. Es muss nicht immer ein Anzug sein.
Nur einer von fünfzehn Kandidaten bringt etwas zum Schreiben mit. Das halte ich für grob fahrlässig. Wie bereits erwähnt, kannst du dir Fragen notieren, auf die du keine Antwort wusstest. Auch Notizen über unbekannte Technologien, Kunden, Goodies, Teamgröße oder Arbeitsweisen sind sinnvoll.
Aufgrund der Nervosität vergisst man oft viel nach dem Gespräch. Außerdem wirkst du interessierter und gut organisiert, wenn du dir ab und zu etwas notierst.
Kandidaten ohne Stift und Block haben meist nur ein oder zwei Fragen, der Rest fällt ihnen nicht mehr ein. Das ist fatal. Wenn du keine Fragen hast, zeigst du, dass du dich nicht mit dem Unternehmen beschäftigt hast. Das signalisiert:
Mein bestes Bewerbungsgespräch als Kandidat hatte ich, als das potenzielle neue Team mich in die Zange nehmen wollte. Ich saß allein im Kreis, umringt vom Team. Da ich aber meinen Block mit unendlich vielen Fragen hatte, konnte ich den Spieß umdrehen.
Folgende Punkte eignen sich gut als Fragen:
Stellt euch euren optimalen Arbeitstag vor und stellt dazu Fragen.
Es klingt zwar selbstverständlich, wird aber oft vernachlässigt:
Viele dieser Verhaltensweisen kann man mit Nervosität entschuldigen, und sie sind auch nachvollziehbar. Dennoch hinterlassen sie oft einen negativen Eindruck. Daran kann man jedoch arbeiten. Ich empfehle, ein kurzes Rollenspiel zu üben, es aufzuzeichnen oder sich von Dritten Feedback geben zu lassen.
Ich habe selten erlebt, dass unbedingt ein bestimmtes Skill-Set gesucht wird. Es geht meist um den Menschen dahinter und die Einstellung. Alles andere kann man dem neuen Kollegen beibringen. Niemand wird auf Dauer einen brillanten Entwickler behalten, der nicht im Team arbeiten kann, keine anderen Meinungen akzeptiert und allen das Leben schwer macht. Also, was treibt dich an? Was brauchst du zum Arbeiten? Was möchtest du lernen? Wie möchtest du dich weiterentwickeln? Beantworte diese Fragen für dich ...
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Tausend Dank fürs Lesen!
Kuba